Veröffentlicht am Fr., 2. Mär. 2018 21:34 Uhr

Der Vierjährige klebt am Autofenster. Vollständige Sätze reden kann er noch nicht, aber die Marken der vorbeifahrenden Autos erkennt er sicher: „Mercedes! VW! Jaguar!“ Der Stern, die verschränkten Buchstaben, die springende Raubkatze – so ein sofort erkennbares Marken-Zeichen ist auch das Kreuz der Christen. Aber warum dieses schreckliche Folter-Instrument, an dem Jesus starb? Warum nicht ein Symbol, das Kraft verkörpert wie der springende Jaguar?

Weil Christen nicht an einen Gott glauben, der hoch und unberührbar auf Wolke Sieben thront. Sondern an einen, der sich auf’s Menschsein eingelassen hat. Mit allen Konsequenzen: Geburt in einem elenden Stall und ein schmachvoller Tod am Kreuz. Dieser Gott ist mit Jesus den Weg der Liebe und Gewaltlosigkeit bis ans Ende gegangen. Daran erinnert das Kreuz. Und daran, dass Gott den ermordeten Jesus nicht bei den Toten gelassen, sondern auferweckt hat. Seine Botschaft der Liebe berührt immer noch Menschen.

In der Passionszeit, die am Aschermittwoch beginnt, bereiten sich Christen auf den Karfreitag vor. Ein schwerer Feiertag, weil da der liebevollste aller Menschen vom Hass der Menschen zu Tode gebracht wurde. Deshalb ist die Passionszeit eine stille Zeit, in der die Gottesdienste mit weniger Gesang und Lobpreis auskommen müssen, in der manche Menschen fasten und zu Passionsandachten gehen. Getragen sind wir aber auch in dieser stillen Zeit von der Hoffnung auf Gott, der den Tod der Liebe nicht zulässt – damals nicht, und heute auch nicht.

Ute Sauerbrey
Pfarrerin der Kirchengemeinde Lübars

Kategorien Kirchenjahr