Veröffentlicht am Mo., 1. Okt. 2018 00:00 Uhr

„Na, was sagt man da?“, wurde ich als Kind ermahnt, wenn ich ein Geschenk erhalten und nicht gleich „danke“ gesagt hatte. Als Kind fand ich diesen Hinweis meistens doof. War nicht zu sehen, dass ich mich gefreut hatte? Später erst habe ich begriffen, warum das Wort „danke“ so wichtig ist. Es bewahrt uns davor, Dinge als selbstverständlich hinzunehmen, die nicht selbstverständlich sind. Und es wertet die Beziehung auf zwischen dem Geber und dem Beschenkten. Durch eine nicht selbstverständliche Gabe entsteht eine Beziehung mit Freude und Dankbarkeit.

Wenn ich davon aus gehe, dass mir meine Tante zum Geburtstag 100 Euro schenken muss, ist das etwas völlig anderes, als wenn ich vor Freude überrascht bin, dass sie mir diesmal 100 Euro geschenkt hat! Mit dem Dank und der Freude über das Beschenktsein entsteht Würde zwischen den Menschen und Achtsamkeit im Umgang mit den Gaben. Das klappt allerdings nur, wenn ich das der Tante auch sage und den Dank ihr gegenüber ausspreche. Wenn ich nur im stillen Kämmerlein dankbar an meine Tante denke, ist das zwar lieb gemeint, reicht aber nicht wirklich.

In der Fragestellung, was für mich selbstverständlich ist, zeigt sich zugleich die Reife meines Bewusstseins. Ein Säugling kann und braucht sich nicht für die Muttermilch bedanken. Ein Schulkind kann schon anfangen zu erfassen, wie es mit der Tante und den 100 Euro steht. Erwachsene können begreifen, dass wir am Ende einer ca. 14 Milliarden Jahre dauernden schöpferischen Entwicklung unserer gesamten Welt stehen und was für ein wunderbares Geschenk es ist, zu essen und zu trinken zu haben auf diesem so schönen blauen Planeten im Weltall. Es ist gut, diese Dankbarkeit und Freude nicht nur im stillen Kämmerlein zu bedenken, sondern unseren Dank auch auszusprechen.  Gegenüber der Schöpfung, dem Wunder des Lebens, Gott – wie Sie es auch nennen wollen –, so entsteht eine überaus wertvolle und wertschätzende Beziehung. Und es entsteht Achtsamkeit im Umgang mit den Gaben des Lebens.

Beim Einbringen der Ernte wurde das den Menschen seit altersher besonders deutlich und deshalb feiern wir bis heute Erntedankgottesdienste in unseren christlichen Gemeinden.    

Fred Pohle
Pfarrer der Felsen-Kirchengemeinde

(Fotos: Titel | pixabay.com - Fred Pohle | Lehmann/Lausitzer Rundschau)

Kategorien Kirchenjahr