Veröffentlicht am Sa., 21. Mär. 2020 10:52 Uhr

„Lätare“ – das ist der Name dieses Sonntags am 22.3.2020. In der Mitte der Passionszeit sollen wir uns vor-freuen auf das näherkommende Osterfest. Eine schwer erträgliche Zumutung in Corona-Zeiten. Rosa – das war früher vielerorts die liturgische Farbe dieses 4. Sonntags der Fastenzeit. Das Weiß des Ostersonntags leuchtet schon durch das Violett der Passion, hellt es auf.  Rosarote Brillen – die würden wir jetzt gern aufsetzen, weil wir die harten Zeiten kaum aushalten. Der Frühling hat begonnen, Bäume und Pflanzen verabschieden unwiderstehlich den Winter, Vögel genießen ausgelassen die wärmenden Sonnenstrahlen. Und uns Menschen ist zum Weinen zumute: Angst vor dem Virus umfängt uns, Sorge um die eigene Gesundheit, oder um die von Verwandten und Freunden. Möglichst keine Begegnungen mit anderen Menschen sollen stattfinden. Zuhause bleiben, in den eigenen vier Wänden – so lauten die Anweisungen.  In unbarmherziger Klarheit stehen uns an diesem Freudensonntag im März 2020 freudlose Zustände vor Augen - und alles deutet darauf hin, dass sie nicht so rasch überwunden werden können. Schmerzlich reduziert ist das Leben.

Noch sind ausreichend Lebensmittel vorhanden – so heißt es – und wir hören es voller Dankbarkeit. Gleichzeitig fragt man sich: Welche Lebensmittel brauchen wir in diesen Tagen, auf der Suche nach Halt, Kraft zum Durchhalten und Zuversicht? Einige der für diesen Sonntag vorgesehenen Bibeltexte nehmen diese Frage auf. Wir lesen vom Weizenkorn, das in die Erde fällt (Johannes 12,24), von Säuglingen, die sich satt trinken dürfen an Brüsten des Trostes (Jesaja 66,11) und von Christus, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6,48). Paulus verweist auf ein zentrales geistliches Lebensmittel: den Trost. Und er spricht eindringlich vom „Vater der Barmherzigkeit und dem Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit auch wir trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott“ (2. Kor.1,4).“ Für ihn war dies keine billige Vertröstung, sondern eine wirksame Kraftquelle in Leidenszeiten. Er sah darin ein Lebensmittel für seine Gemeinden, für Menschen, die im Glauben an Jesus Christus auch über Entfernungen hinweg miteinander verbunden bleiben.

Ja, Nahrung für die Seele benötigen wir dringend und können sie erhalten: Indem wir zu dem beten, der zusagt: „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer“ (Jes.54, 10). Und indem wir mancherlei Wege finden, um einander zu Helfern und Helferinnen des Trostes zu werden.

Ich bin zuversichtlich: Auch wenn es jetzt nicht die Zeit für Freudenfeste ist, wir finden diese Wege des Trostes.

Ihr Pfarrer Christoph Anders

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