Veröffentlicht am Di., 27. Jul. 2021 00:20 Uhr

In dem Film „Der große Rudolph“ gibt es  eine Szene in einem Kosmetiksalon. Das  Lehrmädchen Evi wird zufällig Zeugin, wie die Chefin Hand in Hand mit ihrer Angestellten aus einem Kanister eine Flüssigkeit in verschiedene kleine Flakons  füllt. Evi sollte tags zuvor Namen und Preise der verschiedenen duftenden Öle auswendig lernen. Verwundert fragt sie: Und die kommen alle aus einem Kanister? Alles ein einziger Bluff!

Ganz anders die Düfte in meinem Garten. Jetzt im Sommer scheinen sie besonders intensiv zu sein. Doch schon im April war es der feine Duft der Apfelblüten und noch früher im Jahr die lila Veilchen, die mich mit ihrem Duft erfreuten. Im Juni stand eine Rose in dunklem Pink, über und über mit Blüten bedeckt, und duftete verführerisch. Wenn ich diese Rose in die Vase hole, erfüllt sie den ganzen Raum mit ihrem herrlichen Duft. 

Auch Kräuter duften. Thymian, Lavendel, Rosmarin, Minze oder Bohnenkraut geben charakteristische Düfte ab, wenn ich mit der Hand ein wenig an den Blättern reibe. Düfte verwehen rasch. Aber sie speichern Erinnerungen. Nur aus diesem Grund versuche ich jedes Jahr aufs Neue, Edelwicken am Zaun zu kultivieren. So richtig gut geht es ihnen dort nicht, aber es gibt doch einige Blüten. Und die erinnern mich an den Garten meiner Großmutter. Dort hat sich mir dieser bezaubernde Duft tief eingeprägt.

Merkwürdigerweise spielen Gerüche in der Bibel kaum eine Rolle. Ab und an ist zu lesen, dass Gott den lieblichen Geruch eines Opfers wahrnimmt. Ob das für die Menschen auch ein lieblicher Geruch war? Umso mehr sticht die Erzählung von der Salbung Jesu in Betanien hervor: Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls (Joh. 12,2).

Wie kommt es, dass nur hier überhaupt das Wort Duft vorkommt? In die Welt der einfachen Leute, von denen uns die Bibel überwiegend erzählt, passt der Reichtum duftenden Öls nicht. Und die duftenden Blumen, an  denen wir uns freuen, wachsen im trockenen Klima Israels wohl auch nicht so gut. Aber es mag noch einen Grund geben: Der Geruchssinn hilft uns, Gefahren zu erkennen und schöne Düfte erfreuen uns. Nur eine Botschaft übermittelt er nicht. Gerüche und Düfte sprechen allein unsere Sinne an, der Verstand bleibt außen vor. Anders als Auge und Ohr ist der Geruchssinn kein Medium für die Botschaft des Gotteswortes. Er bleibt einfach ein Geschenk an uns. Eine Einladung, wahrzunehmen, welch wunderbare Schöpfung uns umgibt und uns einfach nur daran zu freuen.

Herzlich grüßt Sie

Ihre Dr. Ilsabe Alpermann

Weitere Gedanken zum Thema "Düfte und Gerüche" finden Sie im Gemeindebrief August/September 2021 der Kirchengemeinde Waidmannslust.

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